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Petzen ist nicht mehr

Der Tag X

Petzen ist nicht mehr
Gladbeck, 01.02.2010, Elke Hautmann, WAZ
 
Gladbeck An der Elsa-Brändström-Schule gelten ab sofort ganz neue Regeln. Und alle verpflichten sich, sich auch daran zu halten.
Getragene Musik erklingt. Frauen und Männer, schwarz gekleidet, schreiten würdevoll aus der Tür. In den Händen halten sie Plakate, tragen sie zu einem Platz, auf dem Feuerstellen brennen und werfen sie in die Glut. Auf dem Schulhof der Elsa-Brändström-Schule gehen alle schlechten Angewohnheiten des Schulalltags in Flammen auf.
1. Februar 2010 – der Tag X an der Hauptschule am Krusenkamp. Ab sofort gelten neue Regeln. Petzen, den Unterricht stören, Andere beleidigen und alle anderen negativen Erscheinungen gehören der Vergangenheit an. Stattdessen heißt es jetzt zum Beispiel: Ich habe immer alle notwendigen Arbeitsmaterialien dabei. Das Handy bleibt in der Tasche. Ich komme morgens pünktlich. In der Schule wird nur Deutsch gesprochen. Sieben klare Regeln gelten für die 160 Mädchen und Jungen, hängen schwarz auf gelb unübersehbar in jedem Klassenzimmer.
„Schule atmosfairisch“ heißt das Programm des Malteser Werkes, an dem das Kollegium der Elsa-Brändström-Schule seit einem Jahr mit Trainerin Marita Determann-Schacht arbeitet mit dem Ziel, ein positives Lehr- und Lernklima zu schaffen. Heinz Somfleth, der kommissarische Schulleiter, ist überzeugt: „Wenn sich die Jugendlichen an die Regeln halten, steigt die Qualität des Unterrichts.“ Und nicht nur das: Gutes Benehmen lohnt sich auch. Die Lehrerinnen und Lehrer halten fest, wer sich an die Regeln hält und wer nicht. Am Ende jeder Woche gibt es kleine Geschenke, wenn es geklappt hat. Umgekehrt handeln sich Störenfriede zunächst eine Verwarnung in Form einer gelben Karte ein. Fruchtet das nichts, „dürfen“ sie einen Teil des Unterrichts in der „Auszeitzone“ weiter verfolgen, ohne Sichtkontakt zu den Mitschülern.
Die Vorbereitungen auf den Tag X hat das Kollegium enger zusammengeschweißt. Alle ziehen an einem Strang, Regeländerungen gibt es nur in Absprache und für die ganze Schule. „Viele Pädagogen erleben sich als Einzelkämpfer“, weiß Maltester-Projektleiterin Andrea Kersting. „Mehr Zusammenarbeit tut da gut.“
Natürlich ist allen Beteiligten klar, dass der erhoffte „positive Klimawandel“ sich nicht per Knopfdruck einstellt. „Wir werden das Programm immer wieder im Unterricht thematisieren“, kündigt Heinz Somfleth an. Dabei kann das Kollegium auch während der nächsten Monate auf die Unterstützung der Trainerin zählen. Schließlich müssen nach den Sommerferien, wenn 120 Jugendliche der dann geschlossenen zwei anderen Hauptschulen zum Krusenkamp wechseln und das Kollegium wächst, auch alle Neuen die Regeln verinnerlichen.
Der ehemalige Schulleiter Rolf-Kleine-Nieße, erst Freitag in den Ruhestand verabschiedet, wollte sich den Tag X nicht entgehen lassen. An den Vorbereitungen war er maßgeblich beteiligt, die Entwicklung wird er aus der Ferne verfolgen und hoffentlich das erleben, was sich sein Kollegium davon verspricht: Der Ruf der Elsa-Brändström-Schule soll sich nachhaltig verbessern.
So wie gestern die Stimmung beim feierlichen Zeremoniell: Die „Trauergemeinde“ streifte Mäntel und Jacken ab und präsentierte sich in farbenfrohen T-Shirts mit der Aufschrift „Schule atmosfairisch – Wir machen mit. Wir sind dabei.“


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