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Elsa Brändström

Seit der Verlegung von der Kortestraße an den neuen Standort in Gladbeck-Ost am Krusenkamp im Jahre 1994 trägt die ehemalige Hauptschule Gladbeck-Mitte-West den Namen Elsa-Brändström-Schule.

Bedauerlicherweise kennen diesen Namen heutzutage nur noch wenige, schreiben ihn meist fälschlicherweise auch gemäß amerikanisch-englischer Aussprache „Brandström“. In den 1920er Jahren hingegen gab es kaum jemanden, der mit diesem Namen nichts verbinden konnte.

Elsa Brändström Portrait

Wer war Elsa Brändström?

Am 26. März. 1888 in St. Petersburg geboren, wächst sie zunächst in Lidköping in Südschweden auf, kehrt aber 1908 nach Russland zurück. Als Tochter des schwedischen Gesandten am Zarenhof genießt sie das Leben der Oberen Zehntausend.  Der Beginn des Ersten Weltkrieges ändert ihr Leben völlig. Sie geht nicht, wie es bei den Damen der Gesellschaft zum guten Ton gehört, in die Lazarette, um hin und wieder alibihaft Verwundeten ihr Mitgefühl zu demonstrieren. Niemand kann, so ihr Va-ter, sie daran hindern, das zu erfüllen, was sie als ihre Aufgabe erkennt.

Russland 1914-22

Zunächst als russische Krankenschwester, bald jedoch als Schwester des schwedischen Roten Kreuzes, geht sie in die Lager Sibiriens, kämpft mutig für die Verbesserung der Lebensbedingungen besonders deutscher und österreichischer Kriegsgefangener, die sie bald „Engel von Sibirien“ nennen. Bis 1922 arbeitet sie in Russland, gerät im russischen Bürgerkrieg selbst zwischen die Fronten, kann durch ihre weit reichenden Kontakte, u. a. zum deutschen Reichskanzler Prinz Max von Baden die Rückführung der Gefangenen nach Deutschland und Österreich bewirken. 1920 wird sie Kandidatin für den Friedensnobelpreis, den jedoch ein anderer erhält. Das Ende des Krieges bringt jedoch keineswegs das Ende ihrer Aktivitäten.

Deutschland 1922-34

Mit den Folgen von Krieg und Gefangenschaft lässt sie die nach Deutschland zurückgeführten Kriegsgefangenen nicht allein. Sie zieht nach Deutschland, gründet 1922 die Stiftung „Arbeitssanatorium für ehemalige kriegsgefangene Deutsche“ und kauft die Kuranstalten Marienborn-Schmeckwitz bei Kamenz in Sachsen (bis 1929) und Gut Schreibermühle in der Uckermark (bis 1931). Darüber hinaus pachtet sie ab 1924 Schloss Neusorge bei Altmittweida in Sachsen und betreibt dort bis zu seiner Auflösung 1931 ein Kinderheim für Kriegswaisen.

Um all dies zu finanzieren, sammelt sie Spenden auf ihren Vortragsreisen in Schweden und Amerika. 1927 erscheint ihr Buch „Unter Kriegsgefangenen in Russland und Sibirien, 1914-1920“. 1929 heiratet sie den Pädagogikprofessor der Technischen Hochschule Dresden, Robert Ulich und entscheidet sich somit dafür, dauerhaft in Deutschland zu leben. Die Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland durchkreuzt jedoch ihr Vorhaben. Professor Ulich wird wegen seiner jüdischen Abstammung gezwungen, seine Ämter niederzulegen. Daraufhin verlässt die Familie Ulich-Brändström mit der zweijährigen Tochter Brita im Jahre 1934 Deutschland.

USA 1934-48

Da ihr Mann in Boston-Cambridge an der dortigen Harvard-Universität einen Lehrauftrag erhält, wählen sie dort ihren neuen Wohnsitz. Obwohl selbst in der Emigration lebend, wird die Familie Ulich-Brändström binnen kurzer Zeit zum Hauptanlaufpunkt für viele Opfer des Hitlerregimes, deutsche Emigranten und Flüchtlinge. Der „Window Shop“, das von Elsa Brändström gegründete Kunstgewerbehaus mit Kleiderwerkstatt und Restaurant, trägt maßgeblich dazu bei, die dringend benötigten Mittel zur Hilfe aufzubringen. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges weist man sie bald darauf hin, „dass man Vorbereitungen treffen müsse, um dem deutschen Volk, vor allem den Kindern in der kommenden Not zu helfen.“

Anfang 1945 – der Krieg gegen Deutschland ist noch nicht zu Ende – beginnt sie mit einer privaten Sammlung von Hilfsgütern und riskiert damit eine Gefängnisstrafe wegen „Feindbegünstigung“. Die 1946 in den USA gegründete „Vereinigung zur Orga-nisation von Hilfssendungen für Deutschland und Europa (C. A. R. E.)“ hat ihren Aus-gang im Hause Ulich-Brändström in Boston-Cambridge. Auch in ihrem ersten Hei-matland findet die ehemalige schwedische Rot-Kreuz-Schwester Gehör für das Elend in Deutschland. Seit Oktober 1945 werden nach einen Aufruf des schwedischen Roten Kreuzes zahllose Kinder durch die „Schwedenspeise“ ernährt.

Dem durch Kontakte zwischen der evangelischen Kirche in Deutschland und Schweden erwirkten Hilferuf, nach Deutschland zurückzukehren, um dort für die Evangelische Kirche ein Kinderhilfswerk aufzubauen, will sie folgen, kann es aber nicht. Die amerikanischen Behörden verweigern ihr die Einreisegenehmigung nach Deutsch-land. Gegen Ende 1947 erkrankt sie schwer und stirbt am 4. März. 1948. Ihre Urne wird im Juni desselben Jahres in Stockholm beigesetzt.

Über die stets praktische Hilfe hinaus hat die mit der Ehrendoktorwürde der Universitäten Uppsala und Tübingen ausgezeichnete Elsa Brändström durch die Nähe zu Diplomaten vieler europäischer Länder, durch ihr Wirken als Gesandte des schwedi-schen Roten Kreuzes und durch die persönliche Bekanntschaft zu dem schwedi-schen Erzbischof Nathan Söderblom viel für die gesamte Menschheit bewirken kön-nen. So hat ihre Rede „Liebestätigkeit als Völker versöhnende Macht“ auf dem „Welt-kongress für praktisches Christentum“ in Stockholm 1925 maßgeblich auch zur späteren Gründung des „Ökumenischen Rates der Kirchen“ beigetragen.

Mittlerweile tragen viele Einrichtungen, Straßen, Plätze, Schulen in Deutschland und auch in Österreich ihren Namen; manches Denkmal ist ihr zu Ehren errichtet.

 

„Aber das bleibende Denkmal sind doch jene Menschen, die im Geiste Elsa Brändströms versuchen, Mitmenschen zu sein und zu helfen, wo immer auf dieser Erde Menschen Not leiden. Denn auch heute und morgen wird die Welt nur von denen leben, die sich opfern.“

„Die größte Verschwendung unseres Lebens besteht in der Liebe, die nicht gegeben wird.“

„Sich kennenlernen und sich verstehen sind die Brückenköpfe; an die Menschheit glauben und sich für sie begeistern können, sind die Pfeiler, auf denen die Liebesar-beit ruhen muss, wenn sie der Völkerversöhnung dienen soll.“

Rolf Kleine-Nieße

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